Beschreibung

Im Jahr 2006 war das Thema Jugendgewalt nach den bedauerlichen Vorfällen an der Rütli-Schule in Berlin in den Medien präsent.

Auch in der Spandauer Neustadt kam es zu Beginn des Jahres 2007 zwischen Jugendlichen zu Konflikten und Gewalt. Das beherzte und zugleich besonnene Eingreifen der Polizei ließ diese Situation glücklicherweise noch verhältnismäßig ruhig ausgehen.

Gerade dieser konkrete Zwischenfall machte den Verantwortlichen vor Ort deutlich, dass etwas unternommen werden muss. Es setzte sich die Erkenntnis durch, dass durch Konflikt vermeidende Maßnahmen im Bereich der Jugendpolitik stärker präventiv gearbeitet werden muss.

Aus diesem Grund fanden sich bald nach dem Gewaltvorfall Vertreter der Spandauer Polizei, lokal ansässiger Migrantenvereine, Vertreter der Kirchen und Moscheen sowie viele andere Multiplikatoren zusammen. Ziel des Treffens war es, Ansätze zu entwickeln, um Gewalt unter Jugendlichen einzudämmen. Ergebnis des Treffens war die Gründung des Präventionsprojekts „Stark ohne Gewalt“.

Ziel des Projektes soll sein, im Rahmen präventiver Jugendarbeit den Dialog mit Jugendlichen in Spandau zu suchen und mit bzw. zwischen den beteiligten Institutionen ein Netzwerk zur Gewaltprävention zu installieren.

Dabei haben wir uns auch vorgenommen, Präsenz zu zeigen und die Probleme im Stadtteil nicht nur zu diskutieren, sondern auch anzugehen und hoffentlich damit zu Lösung beizutragen.

Seither wurden folgende Aktionen durchgeführt, die beispielhaft das Engagement und den Erfolg der Initiative „Stark ohne Gewalt“ aufzeigen:

  • Im März 2007 fand in der Spandauer Neustadt ein Frühlingsfest statt, welches gerne besucht wird. Leider haben in den letzten Jahren auch auf dem Frühlingsfest gewalttätige Auseinandersetzungen und Alkoholmissbrauch stattgefunden. In diesem Jahr waren Vertreter von Spandauer Vereinen und Politiker mit der Polizei vor Ort und konnten durch Gespräche und Vermittlung viele Auseinandersetzungen schon im Vorfeld verhindern. Wir boten den Jugendlichen mit Kicker-Tischen und anderen kleinen Aktivitäten wie zum Beispiel mit gemeinsamem Linsensuppenessen die Möglichkeit, ihre Energie sinnvoll zu kanalisieren. Das Engagement auf dem Volksfest zeigte einen großen Erfolg, die Polizei berichtete von einem drastischen Rückgang der Straftaten. Lediglich eine wechselseitige Körperverletzung wurde verzeichnet, Raubdelikte kamen nicht vor.
  • Um Jugendlichen einen körperlichen Ausgleich anzubieten, trainierte die Spandauer Polizei gemeinsam mit Jugendlichen für das Olympische Sportabzeichen.
  • Seit Ende April 2007 gehen Polizisten mit vier Jugendlichen (zwei mit und zwei ohne Migrationshintergrund) regelmäßig auf Kiezstreife. Damit verfolgen wir zwei Ziele: Zum einen soll die Distanz zwischen der Polizei und den Jugendlichen abgebaut werden; die Jugendlichen und die Polizei gehen mehr aufeinander ein und können besser ihre Bedürfnisse, Sorgen und Nöte mitteilen. Zum anderen wird damit auch deutlich, dass sich die Bürgerinnen und Bürger vor Ort gegen gewalttätige Auseinandersetzungen aussprechen. Am wichtigsten ist jedoch, dass wir bei den so genannten Kiezstreifen feststellen konnten, dass sich in den jeweiligen Kiezen, die vom Stark ohne Gewalt-Team an den Wochenenden von 18.00 bis 24.00 Uhr besucht werden, Begegnungen zwischen Menschen im Kiez geschaffen werden. Dies sorgt für den Abbau von Vorurteilen und stärkt das Selbstwertgefühl der Menschen und die Identifikation mit dem eigenen Kiez.
  • Im Sommer 2007 besuchten wir mit zwei Jugendlichen und einem Polizisten in den großen Pausen Spandauer Schulen, um mit Jugendlichen im Rahmen des Präventionsprojektes Gespräche zu führen. Diese Aktion „Schulhofbesuch“ ist ein neuer, hoffnungsvoller Weg zur Gewaltprävention an Spandauer Schulen.
  • Bei der Aktion „Vorbilder prägen“ werden Persönlichkeiten aus Sport, Musik, Kultur und Wirtschaft mit den Jugendlichen ins Gespräch kommen und ihnen helfen, eine Perspektive zu finden.
  • Im Sommer 2007 gab es ein „Rock & Pop Open Air Konzert“ im Rahmen des Projektes „Stark ohne Gewalt“. Im Vorfeld hierzu fand ein Wettbewerb „Musik für jeden“ für Jugendliche in Kooperation mit einer ortsansässigen Musikschule statt.

    Aufgetreten sind bei dem sechsstündigen Rockkonzert auf dem Gelände der Polizeischule Ruhlebener Straße in Spandau Schul-Bands, Hobby-Bands und professionelle Musikbands. Die private Musikschule hat dafür eigens ein Lied „Stark ohne Gewalt“ komponiert. Spandauer Jugendliche studierten das Lied mit Profimusikern gemeinsam ein und führten es auf.

  • Anfang 2008 fand eine Verteilung des Liedes „Stark ohne Gewalt“ in einer

    Kinder- und Jugendversion an Spandauer Schulen statt.

  • 2008 fand anlässlich des einjährigen Bestehens des Präventionsprojektes eine Jubiläumsfeier in Spandau statt, zu der öffentlich eingeladen wurde. Gastredner war Senator des Landes Berlin Dr. Erhart Körting. Der Spandauer Bürgermeister a.D. Werner Salomon überreichte im Rahmen dieser Feier erstmalig den „Werner-Salomon-Präventionspreis“ an eine Spandauer Rap-Band für besonderes Engagement für russischsprachige Jugendliche in Spandau. Raed Saleh wurde für sein Engagement mit dem von ihm mitinitiierten Präventionsprojektes „Stark ohne Gewalt“ an diesem Tag von Frank Brinker, dem Leiter des Spandauer Polizeiabschnitts 21, die Auszeichnung „Ehrenkommissar“ verliehen.

    Wir wollen an die bisherigen Aktivitäten anknüpfen und den Erfolg des Projektes ausbauen. Zu diesem Zweck planen wir derzeit weitere Aktionen:

  • „Busfahrer-Aktion“ mit Begleitung von Busfahrern und aufklärenden Gespräch mit

    Jugendlichen zur Verhinderung von Angriffen auf Busfahrer

  • Ausdehnung von Kiezstreifen auch auf russischsprachigen Jugendlichen

Ab Mai/Juni 2009 wird zusätzlich intensiv der Austausch von Jugendlichen der Berliner Bezirke mit gegenseitigen Besuchen, Begegnungen, Freizeitaktionen in das Projekt aufgenommen. Begonnen wird ein Austausch zwischen Jugendlichen in Spandau mit Jugendlichen aus den Bezirken Marzahn/Hellersdorf und Lichtenberg.

Grundsätzlich ist nunmehr das Bestreben, ausgehend vom Projekt das Netzwerk und den Dialog zu erweitern und ein „Netzwerk Spandau“ aufzubauen.

Das Projekt „Stark ohne Gewalt“ zeigt, dass viele Menschen großes Engagement dafür aufbringen, Gewalt unter Jugendlichen einzudämmen. Dabei sind es die Jugendlichen selbst, die die größte Motivation mitbringen. Die Hintergründe zur Beteiligung an dem Projekt und nun als Vereinsmitglied sind denkbar verschieden. Das Ziel, Konflikte und Gewalt unter Menschen – gerade unter Jugendlichen – zu verhindern und ihnen damit ein Stück weit Mut und Perspektive zu geben, verbindet alle am Projekt Beteiligten.

Um das Präventionsprojekt erfolgreich fortzuführen, wurde im August 2008 beschlossen, den Verein „Stark ohne Gewalt“ zu gründen.

Der in der Gründung befindliche Verein wird die Idee des Projektes intensiv weiterverfolgen. Dabei werden aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen aufgegriffen und Problemlösungen mit allen Verantwortlichen angestrebt.

So bildet derzeit ein Schwerpunkt der Präventionsarbeit die Fortsetzung der Busfahrer-Aktionen.

Immer mehr Busfahrer sind im Alltag Angriffen während der Busfahrten ausgesetzt, als „Klatschen von Busfahrern“ unter Jugendlichen bekannt.

Dieses „Busfahrer-Klatschen“ wollen wir nicht hinnehmen. Wir wollen mit unseren Aktionen, bei denen Vertreter des Vereins gemeinsam mit der BVG und mit Vertretern der Polizei, Busfahrer auf ihren Touren begleiten und während der Fahrten das Gespräch mit (jugendlichen) Fahrgästen suchen. Damit wollen wir das Bewusstsein der Öffentlichkeit für diese Problematik schärfen, darauf aufmerksam machen.

Wir wollen damit auch einen konkreten Beitrag zur Verhinderung von Angriffen auf Busfahrer leisten und damit ein Stück weit zu praktischer Präventionsarbeit. Wir wollen, dass Jugendliche sich in die Situation eines solchen Busfahrers hineinversetzen.

Mit unseren „Busfahrer-Aktionen“ tragen wir letztlich bei zur Gewaltprävention im Straßenverkehr.