Busfahrer-Aktion

1. Hintergrund und Zielsetzung

Zunehmender Konflikte und Gewaltvorfällen in vielen Lebensbereichen, im Alltag und derzeit auch im öffentlichen Verkehr erfordern den Ausbau präventiver Maßnahmen zur Konflikt- und Gewaltvermeidung. Zu diesem Zweck fanden sich Vertreter der Spandauer Polizei, lokal ansässiger Migrantenvereine, Vertreter der Kirchen und Moscheen sowie viele andere Multiplikatoren zusammen, um das Projekt „Stark ohne Gewalt“ zu gründen.

2. Zielsetzung

Ziel ist es, Ansätze zu entwickeln, um Gewalt unter Jugendlichen einzudämmen und im Rahmen präventiver Jugendarbeit den Dialog mit Jugendlichen in Spandau zu suchen.

Respekt, gegenseitige Akzeptanz und die Anerkennung und Hochschätzung der Mitmenschen im Bus und die Anerkennung und Hochschätzung des Berufs Busfahrer stehen bei uns im Mittelpunkt der Arbeit. Wir wollen durch unsere Aktionen einen Beitrag zur Erhöhung der Zivilcourage. Letztendlich geht es um eine gewisse Form der Wertevermittlung.
Dazu ist der Aufbau eines Netzwerkes zur Gewaltprävention mit allen Verantwortlichen unerlässlich. Tragende Säule im Rahmen dieses Netzwerkes ist die Zusammenarbeit zwischen „Stark ohne Gewalt“ und der Berliner Polizei. Wir wollen durch jeweilige Erfahrungen auf dem Gebiet der Präventionsarbeit mit Jugendlichen unsere Anstrengungen gegen Gewalt und Konflikte ausbauen. Ein wesentliches Ziel ist dabei die Beteiligung von Jugendlichen selbst an allen Schritten der Aktionen:
Bei der Planung und Organisation bis hin zu der Beteiligung an den Fahrten und Gesprächen mit anderen Jugendlichen selbst. Jugendliche sollen so lernen, selbst Verantwortung zu übernehmen, und durch einen „Seitenwechsel“ die Aufgaben und auch Schwierigkeiten im Rahmen von Präventionsarbeit kennenlernen.

3. Maßnahmen

Schwerpunkt der Zusammenarbeit ist die Präventionsarbeit. Dabei werden auf der Grundlage gesellschaftlicher Entwicklung vor Ort konkrete Maßnahmen geplant und umgesetzt. Aktuell wird die begonnene Serie regelmäßig stattfindender  Busfahrer-Aktionen unter dem Motto „Stark ohne Gewalt on tour“ fortgesetzt und ausgebaut.

4. Maßnahme – Busfahreraktionen

a. Hintergrund und Zielsetzung

Immer mehr Busfahrer sind im Alltag Angriffen während der Busfahrten ausgesetzt, als „Klatschen von Busfahrern“ unter Jugendlichen bekannt.

Dieses „Busfahrer-Klatschen“ wollen wir nicht hinnehmen. Wir wollen mit unseren Aktionen, bei denen Vertreter des Vereins und der berliner Polizei gemeinsam in enger Abstimmung mit  der BVG, Busfahrer auf ihren Touren begleiten und während der Fahrten das Gespräch mit (jugendlichen) Fahrgästen suchen. Damit wollen wir das Bewusstsein der Öffentlichkeit für diese Problematik schärfen. Wir wollen auf das gesellschaftliche Problem des sogenannten Busfahrer-Klatschens aufmerksam machen.

Eine tragende Säule ist die konkrete und intensive Zusammenarbeit zwischen Stark ohne Gewalt mit der Berliner Polizei. Die einzelnen Busfahrten werden in regelmäßigen Treffen und enger Abstimmung gemeinsam geplant und organisiert. Jugendliche werden nach der oben beschriebenen Zielsetzung intensiv in die Planung und Organisation eingebunden. Ziel ist es, eigenverantwortlich Aufgaben zu übertragen und so auch ein Stück weit zu fördern und zu fordern. Die Erfahrung zeigt, dass der Zugang zu Jugendlichen durch Jugendliche als „Türöffner“ erleichtert wird. Gleiches Alter, gleicher Erfahrungshorizont und auch gleiche Probleme in Schule und Familie bilden die Basis für Gemeinsamkeit. Wir wollen damit einen Beitrag auch zu freundschaftlichen Beziehungen zwischen Jugendlichen jeder Herkunft und auch zwischen Vertretern des Projektes, der Polizei und Jugendlichen leisten. Dauerhaft sollen Hemmungen und Ängste abgebaut, Vertrauen und Verständnis füreinander geschaffen werden.

Ziel ist es auch, den Busfahrern einen Schutz im Alltag zu bieten.
Wir wollen gestärkt das Bewusstsein gerade bei Jugendlichen schaffen.

Wir wollen damit auch einen konkreten Beitrag zur Verhinderung von Angriffen auf Busfahrer leisten und damit ein Stück weit zu praktischer Präventionsarbeit. Wir wollen, dass Jugendliche sich in die Situation eines solchen Busfahrers hineinversetzen.
Mit unseren „Busfahrer-Aktionen“ tragen wir letztlich bei zur Gewaltprävention im Straßenverkehr.

b. Umsetzung

In regelmäßig stattfindenden Planungsrunden gemeinsam mit Vertretern der Polizei und des Projektes „Stark ohne Gewalt“ werden im Rahmen der Aktion die Busfahrten Konkret festgelegt und geplant.

Die Planung umfasst Termin, Treffpunkt und verbindliche Beteiligung von Vertretern der Polizei und des Projektes.

Dazu ist die intensive Einbindung von Jugendlichen auch in die konkreten Fahrten geplant.
Unsere Zielgruppe  sind die Jugendlichen im Alter von 18 bis 26 Jahren.
Dabei sprechen wir Jugendliche mit allen Migrationshintergründen an.
Sie werden auch als aktive Teilnehmer in die Aktionen eingebunden.

Zweimal im Monat wollen wir zu Beginn der Aktionen unsere Aktivitäten durchführen. Ein großer Teil der Aktionen „Stark ohne Gewalt – on tour“ wird nicht nur in den Bussen der BVG, sondern an den Sammelstellen und am Rathausvorplatz direkt vor und gegenüber des Rathauses stattfinden. Dort treten wir in der Phase nach Schulende und in den Abendstunden mit Jugendlichen in das Gespräch. Dort findet neben Kontaktaufnahme auch die Verteilung unserer Materialien (CD, Flyer) statt. Außerdem werden wir unmittelbar nach Schulschluss an den Bushaltestellen der jeweiligen Schule das Gespräch mit den jungen Menschen suchen. Zum Beispiel Falkenseer Chaussee, da erreichen wir die Schülerinnen und Schüler der Wilhelm-Leuschner- und der B.Traven-Oberschule. Außerdem wollen wir die Schülerinnen und Schüler der Heinrich-Böll- und der Carlo-Schmid-Oberschule kontaktieren.

Die Busfahrten beginnen entweder nach Schulschluss oder abends.
Treffpunkt ist zum Beispiel an den Haltestellen Rathausvorplatz.
Die jungen Spandauerinnen und Spandauer tragen ein Sweatshirt mit der Aufschrift „Stark ohne Gewalt – on tour“. Zu Beginn der Fahrten wird umfangreich Öffentlichkeitsmaterial wie Flyer, Broschüren, CD´ s zum Thema verteilt, um über die Aktion „Stark ohne Gewalt on tour“ zu informieren. Die CD enthält drei verschiedene Songs: eine Rockersion, eine Kinderversion und eine russische Version. In den Songs rufen die zahlreichen Sängerinnen und Sänger (insgesamt 60 Personen beteiligt) die Gesellschaft auf „Sei stark ohne Gewalt – keine Faust geballt – denn Stärke ist, was Du in Dir trägst.“ Die zu verteilenden Flyer beinhalten einen altersgerechten Appell zum Respekt gegenüber anderen Menschen und zum Respekt gegenüber der BVG und deren Personal. Das Wir-Gefühl: Jeder von uns ist Berliner und trägt seine Verantwortung in dieser Stadt. Die BVG ist Berlin und die Busfahrer halten diese Stadt in Atem. Teilnehmer der Busfahrten sind Mitglieder des Projektes „Stark ohne Gewalt“, Vertreter der Polizei und Jugendliche zwischen 18 und 26 Jahren. Während der Fahrten der BVG-Busse werden mit den Fahrgästen jeden Alters Gespräche geführt. Im Rahmen dieser Gespräche in lockerer Atmosphäre sollen Erfahrungen zum Thema „Busfahrer-Klatschen“ aus Sicht der betroffenen Busfahrer, der Fahrgäste und der Jugendlichen geführt werden. Dabei werden mit Fragen auch die Motive tätiger Jugendlicher ergründet. Notwendig ist ein Höchstmaß an Einfühlungsvermögen, um den Zugang zu Jugendlichen zu erreichen. Wir wollen so versuchen, nachhaltig die Atmosphäre während der Busfahrten zu verbessern. Am Ende der Fahrten soll ein Gefühl des Verständnisses und der gegenseitigen Akzeptanz vorhanden sein. Wichtig ist, die Jugendlichen sind keine „Hilfssheriffs“, sie sind nicht verpflichtet und nicht berechtigt zu intervenieren.

c. Ergebnis

Im Ergebnis wollen wir so an die bisherigen Erfolge des Projektes „Stark ohne Gewalt“ anknüpfen und einen Beitrag zur Verhinderung von Konflikten und Gewaltvorfällen wie Vandalismus leisten.